DETLEF GÜNTHER

„Grund“ nennt der Berliner Künstler Detlef Günther seinen Zyklus aus sechs Bildern, den er für die St. Christophorus Kirche gemalt hat. Wie Farbfelder entfalten sich die dunkelgrauen bis schwarze Flächen in den Seitenschiffen. Die Bilder laden zum stillen Betrachten ein. Kein Abbild erwidert den Blick des Betrachters. Nur diese dunklen Flächen, die „Schwarz“ erscheinen. Das Auge entdeckt feine Strukturen, die auf einen langen Malprozess hindeuten. Die Farbe wurde auf- und abgetragen, eher mit den Händen als mit dem Pinsel. Sie wurde abgekratzt, mit dem Lappen gewischt, gemischt, geschrubbt. Der Ölfarbe wurden Pigmente und Graphite beigemischt. Detlef Günther spricht von einem Malprozess, der einer Waschung ähnelt. Wie ein flacher Resonanzkörper wird darin die Oberfläche untersucht, die jede Lichtreflexion verschluckt. Und immer wieder schimmert unter den dunklen Flächen ein heller Hintergrund.
Schwarz ist die Basisempfindung des Sehorgans; als unbunte Farbe beinhaltet sie die Dualität Licht/Dunkelheit, in der additiven Mischung enthält sie alle Farben. Im Schwarzen treffen sich alle Möglichkeiten der Wahrnehmung. Metaphorisch mag dies der Anfang und das Ende eines Weges bedeuten. In den Nischen der Seitenschiffe, in denen nach der katholischen Tradition die uralte christliche Geschichte erzählt wird, stellt die Malerei von Detlef Günther, die in der ikonoklastischen Tradition der Abstrakten Malerei steht, die Frage nach Repräsentation: Auf einen Grund malen, bis die Malerei selbst zum Grund wird.

Detlef Günther (Berlin), studierte Philosophie, Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und der Freien Universität in Berlin. Anschließend studierte er Kunst an der UDK Berlin bei Professor H.J. Diehl (Meisterschüler).

Seit 1988 hat Detlef Günther Ausstellungen im In- und Ausland in den Bereichen Malerei, Video und Multimediaenvironments. Seine Arbeiten sind u.a. vertreten in der Sammlung Karl Kremer (Gelsenkirchen), in der Kunstsammlung der Deutschen Bank (Frankfurt) und im Kunstmuseum Gelsenkirchen.

http://www.detlefguenther.de